Œuvres ouvertes

Hommages à Werner Kofler, suite

un article dans la Neue Zürcher Zeitung

Un niveau nettement au-dessus de ce qu’on peut lire dans la presse autrichienne : Franz Haas, germaniste enseignant à Milan ("un des meilleurs critiques littéraires que je connaisse", dixit le traducteur de Kofler, Bernard Banoun), hommage paru dans un journal suisse.

 

Franz Haas | Zu spät und unversöhnt


Er war einer der grossen, zornigen Virtuosen der deutschen Sprache. Doch in letzter Zeit wurde er zu wenig und fast nur noch in Österreich wahrgenommen, was auch daran lag, dass er im vergangenen Jahrzehnt bloss noch zwei schmale neue Bücher veröffentlicht hatte. Werner Kofler, geboren 1947 in Villach, gestorben vorgestern in Wien nach langer peinigender Krankheit, hat mehr als zwanzig Bände publiziert. Seine Parabel als funkelnder und letztlich glückloser Literaturkomet ist auch in der Geschichte seines Verleger-Wechsels zu sehen : fünf Bände bei Wagenbach, fünf bei Rowohlt, dann nur noch Bücher bei kleinen und immer kleineren Verlagen in Österreich, teilweise Neuauflagen aus besseren Zeiten. Dabei hatte der geniale Polemiker einst nicht nur sehr viel und ganz Ungeniertes zu sagen, er schrieb es auch bis zuletzt in einer Prosa von unerhörter Musikalität und Schrittfestigkeit.

Koflers glänzender Aufstieg begann 1975, als der Wagenbach-Verlag zur deutschen Vorhut gehörte, mit dem Roman « Guggile » über seine Kindheit im post-Nazi-biederen Kärnten. Den fast unsichtbaren Schlusspunkt seiner Karriere setzte er 2010 mit dem sehr schlanken, aber immer noch brillanten Prosaband « Zu spät » im Wiener Sonderzahl-Verlag, der kaum noch die Eingeweihten des Literaturbetriebs erreichte – das verlässliche Innsbrucker Zeitungsarchiv registriert eine einzige Rezension.

« Zu spät » besteht aus zwei Texten, die exemplarisch zwei Leitthemen von Kofler variieren : die unzumutbare Gegenwart und die verbrecherische Vergangenheit. Im ersten Teil kommt ein erzählendes Ich « zu spät » in sein « Kindheitsgelände » zurück, findet nicht den Garten, sondern eine Baugrube, nicht den « Kindheitskirschbaum », sondern nur Verwüstung durch einen Kärntner Spekulanten. Im zweiten Teil geht es um den Film « Tiefland », bei dem 1940/41 Roma-Komparsen mitgewirkt hatten, die später in Auschwitz ermordet wurden. Die berüchtigte Regisseurin Leni Riefenstahl, der honorige Schauspieler Bernhard Minetti und der berühmte Jean Cocteau, der den Film 1953 wieder lancierte – sie alle werden von Kofler durch seinen an Karl Kraus geschulten Reisswolf der Sprache gedreht.

Im bösen Witz seiner Texte grenzte Kofler sich immer durch Unversöhnlichkeit vom landläufigen Humor ab. Er war kein friedliebender Grüner, sondern ein rabiater Gegner jeglicher Naturzerstörung, zumal in seinem Kärnten und vonseiten der dortigen politischen Hasardeure. Deren Nazi-Sympathien brachte er in vielen Werken in Verbindung mit ihren Machenschaften in der Gegenwart und mit der NS-Mordmaschinerie der Vergangenheit, etwa in der grandiosen Erzählung « Mutmassungen über die Königin der Nacht » (1989) oder in den Bühnenmonologen von « Tanzcafé Treblinka » (2001). In seiner Wahlheimat Wien betrieb er die hohe Kunst des Nörgeln auch als Privatsache, vor allem gegen die Boulevardpresse. Die Namen vieler Bösewichter sind in seinen Büchern für die Zukunft vermerkt.

Auch in seinem vorletzten, polyfonen Buch mit dem Adorno-Titel « Kalte Herberge » ist Öffentliches mit Privatem vermischt, von den Widerlichkeiten des Boulevards, « den stinkenden Pointen, dem üblen Auflachen » bis zur eigenen Beklemmung beim Leben in einem Wiener Abbruchhaus. Familiengeschichten sind verwoben mit der eigenen, hochfahrend selbstbewussten Position als Schriftsteller und mit dem Schrecken eines Lungentumors. Diesem ist er nun nach Jahren erlegen. Er war bis zuletzt ein luzider Schriftsteller mit todgrantigem Witz, mit dem Wissen um den Wert seines Werkes, aber unversöhnt auch mit denen, die nichts davon wissen wollten.

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© Laurent Margantin _ 11 décembre 2011
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